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Schweizer Franken, Dollar, Yen... Währungen – Gewinner des Krieges in der Ukraine

Die Hauptgewinner auf dem Devisenmarkt

Hartmut Kaufer

17 / Mai / 22
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★★★★

Die Hauptgewinner auf dem Devisenmarkt sind sichere Anlagen: der US-Dollar, der Schweizer Franken und der japanische Yen, betont unser Kolumnist William Gerlach, Regionalmanager von IbanFirst in Frankreich. Umgekehrt geben außereuropäische Investoren massiv alle Euro-Anlagen auf.

Zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 fiel der Euro gegenüber dem US-Dollar in mehreren Sitzungen um fast 500 Punkte. Das gemeinsame Vorgehen von Notenbanken und Staaten (in Frankreich „mit allen Mitteln“) ließ die Einheitswährung jedoch schnell wieder ihre Farbe annehmen. Im Juni 2020 notierte das EUR/USD-Paar deutlich höher als vor der Krise. Die mit der Pandemie verbundene Risikoscheu verschwand schnell. Anders sieht es heute auf dem Devisenmarkt aus.

Seit mehreren Wochen halten Händler die Möglichkeit einer russischen Invasion in der Ukraine für ein unwahrscheinliches Ereignis. Als am 24. Februar bekannt wurde, dass die Invasion begonnen hatte, reagierte der Markt daher heftig. Devisenhändler sehen jetzt das Worst-Case-Szenario voraus: Europäische Sanktionen gegen russische Kohlenwasserstoffe, Repression durch Moskau (die zur Verstaatlichung einiger der im Land ansässigen ausländischen Unternehmen führen könnte), explodierende Preise für Energie, Agrarrohstoffe und eine galoppierende Inflation. All dies ist ungewiss. Aber es ist klar, dass wir mit einer ziemlich beispiellosen Marktkonfiguration konfrontiert sind.

Gewinner

Angesichts des Verlaufs der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, deren dritte Runde am Montag ohne wirkliche Fortschritte endete, deutet alles darauf hin, dass die Risikoaversion noch mindestens einige Wochen anhalten wird. Für Generationen von Devisenhändlern ist ein Krieg in Europa etwas Neues (der Krieg auf dem Balkan in den 90er Jahren berührte nicht die gleichen wirtschaftlichen Interessen). Auf der anderen Seite ist die Reaktion des Devisenmarktes ziemlich klassisch und erwartet.

Die großen Gewinner sind sichere Anlagen: der US-Dollar, der Schweizer Franken und der japanische Yen. Der Dollar-Index, der derzeit das beste Barometer zur Beurteilung der Entwicklung der Risikoaversion ist, durchbrach am vergangenen Montag die psychologische Schwelle von 99 und ist nun auf seine Höchststände vom Mai 2020 zurückgekehrt. Letzten Freitag erreichte der Euro/Schweizer Franken die Parität, was noch vor wenigen Wochen undenkbar war. EUR/JPY hat seinerseits seit dem 24. Februar fast 500 Pips verloren. Der Herbst ist noch nicht vorbei. Einige Zentralbanken werden versuchen, das Wachstum ihrer Währung einzudämmen. In diese Richtung hat sich kürzlich die Schweizerische Nationalbank geäußert. Aber ihre Fähigkeit, Wechselkurse zu beeinflussen, ist angesichts der allgemeinen Panik begrenzt.

Was passiert ist, dass außereuropäische Investoren massiv alle Anlagen in Euro aufgeben. Dies gilt für die Einheitswährung. Wenn die Panik anhält, könnten wir in einem Extremszenario eine Rally des EUR/USD auf 1,0350 erleben. Angesichts des Krieges in Europa sehen wir nicht, was die Europäische Zentralbank diesen Donnerstag nach ihrer Sitzung zur Wiederherstellung des Vertrauens hätte ankündigen können.

Australischer Dollar - Überraschung zum Jahresbeginn

Rohstoffwährungen wie der australische Dollar und der neuseeländische Dollar tendieren dazu, in Zeiten der Risikoaversion zu fallen. Diesmal ist es nicht. Laut dem Bloomberg-Barometer ist der australische Dollar die G10-Währung (Club der reichen Länder) mit dem stärksten Gewinn in einem einzigen Monat. Dies wird durch zwei Hauptfaktoren erklärt. Erstens ist die Geldpolitik weiterhin die treibende Kraft hinter Wechselkursänderungen. Laut dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Protokoll ihrer letzten Sitzung wird erwartet, dass die Reserve Bank of Australia den Leitzins im Sommer anhebt. Dies ist ein Hilfselement.

Zweitens hat der Krieg in der Ukraine zu einem allgemeinen Anstieg der Rohstoffpreise geführt (sowohl Energierohstoffe als auch Kohlenwasserstoffe und Edelmetalle). Experten befürchten Lieferschwierigkeiten oder gar Engpässe. Daher zum Beispiel der Preisanstieg für ein Barrel Öl. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent, die Benchmark für Europa, stieg über 122 $ pro Barrel. Wir können bei diesem Preisniveau in so kurzer Zeit von einem Ölcrash sprechen. Australien exportiert kein Öl, sondern Metalle (z. B. Eisenerz). Das Wachstum ist ebenso überwältigend, was wiederum den Wechselkurs des australischen Dollars stützt. Dies ist der unerwartete Gewinner dieser Krise auf dem Devisenmarkt, die leider gute Aussichten auf eine Fortsetzung hat.

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